Interview mit Bürgermeister Torben Blome

1. Seit 5 Monaten sind Sie Bürgermeister der Stadt Lügde. Was war bisher die größte Herausforderung?

Die letzten 5 Monate werden sicherlich zu den spannendsten Tagen meines gesamten Lebens zählen. Von Tag 1 an habe ich das Krisenmanagement im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in Lügde übernommen und bin froh, dass ich durch meine vorherige Tätigkeit im Krisenstab der Bezirksregierung Detmold das richtige Handwerkszeug für eine solche Herausforderung mitbekommen habe. Das Ziel ist ja dabei immer "vor die Lage" zu kommen, was sich angesichts der Dynamik der pandemischen Entwicklung natürlich zeitweise nur sehr schwer realisieren ließ. Der erste Arbeitstag ging ja gleich einher mit dem zunächst verhängten "Shutdown" mit anschließenden "Teillockdown- und Lockdownphasen" und leider auch mit einem Anstieg der Fallzahlen in unserer Region und auch in Lügde, einschließlich der ersten Todesfälle in unserer Stadt.  Wir mussten als Ordnungsbehörde die unzähligen Maßnahmen der unterschiedlichsten Verordnungen durchsetzen und auch in anderen Bereichen hat sich Corona natürlich bemerkbar gemacht. Ich habe ehrlicherweise aufgehört zu zählen, wie viele Versionen der Coronaschutzverordnung und verschiedener Allgemeinverfügungen alleine in den letzten 5 Monaten gegolten haben. Der Kreis Lippe zählte ja immerhin temporär zu den "Corona-Hot-Spots" in Deutschland mit entsprechend hohen Einschränkungen und Sonderregelungen. In Lügde waren wir dabei aber immer unter den Gemeinden mit den niedrigsten Fallzahlen der Region. Darauf bin ich natürlich ein Stück weit stolz und dankbar. Ein Höhepunkt in diesem Zeitraum war dabei ganz sicher die erfolgreiche Impfung im Johanniter-Stift. Bezogen auf Lügde war das für mich der Wendepunkt in dieser Pandemie.   Auch die schnellen Umsetzungen im Kita- und Schulbereich haben dank sehr engagierter Mitarbeiter und schnellen Abstimmungen mit den weiteren Betroffenen gut funktioniert.

 

  1. Wie gestaltet sich die Arbeit in der neuen Rolle?

Für uns alle wird es einmal eine Zeit "vor", "während" und "nach Corona" geben. Das gilt natürlich auch für die Arbeit als Bürgermeister. Was aktuell völlig untergeht ist ja – trotz der technischen Möglichkeiten über Videokonferenzen oder anderen Medien – der direkte Kontakt mit den Menschen. Die neue Funktion als Chef der Verwaltung habe ich mir dem Grunde nach so vorgestellt, wenn auch hier die Formate größerer Besprechungen oder Personalversammlungen natürlich auch noch fehlen. Die Rolle im Rat und den Ausschüssen kommt aktuell auch deutlich zu kurz, da wir ja kaum Sitzungen machen. Hier wird sich sicherlich einiges verschieben, wenn wir mal wieder ein "normales" Jahr haben. Ich freue mich schon jetzt, wenn ich denn dann irgendwann mal in hoffentlich vollen Schützenfestzelten, Dorfgemeinschaftshäusern oder bei Geburtstags- und Ehejubilaren mal wieder gesellig mit den Menschen zusammenkommen kann. Die Essenz einer Gemeinschaft ist nun einmal die Gemeinschaft.

 

  1. Schulbau, Sporthalle, Kunstrasenplatz - die Stadt schultert zurzeit drei Großprojekte auf dem Ramberg. Dazu kommen noch Investitionen für die Feuerwehr, Kindergärten und Schulen. Steht die Finanzierung? Wann erfolgen die Fertigstellungen?

Für alle Maßnahmen am Schulzentrum steht die Finanzierung und der Haushalt 2021 wird natürlich durch diese großen Investitionen dominiert. Wir werden Ende 2021 aller Voraussicht nach, den Großteil der Baumaßnahmen am Bildungs- und Kulturcampus abschließen können und haben dann eine der modernsten Schulen in unserer gesamten Region. Das ist ein richtiger Standortfaktor und bringt uns hoffentlich richtig nach vorn. Wir hoffen die Rambergsporthalle und den Kunstrasenplatz möglichst schnell im Anschluss ebenfalls umsetzen zu können. Hier müssen wir uns aber auch noch mit den politischen Gremien bezüglich der Zeitabläufe abstimmen. In Rischenau werden wir einen weiteren Raum für Offene-Ganztagsschule errichten, denn die Nachfrage in der Grundschule Rischenau ist auf einem konstant hohen Niveau. In Elbrinxen schließen wir die Arbeiten am neuen Feuerwehrgerätehaus ebenfalls dieses Jahr ab, übrigens mit sehr viel Engagement der Feuerwehrmitglieder. Das ist keine Selbstverständlichkeit und zeichnet uns in Lügde denke ich positiv aus.

 

  1. Wie entwickeln sich die Finanzen der Stadt im Corona-Jahr und in naher Zukunft?

Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir natürlich Ausfälle bei der Gewerbesteuer und anderen Einnahmequellen. Wir kommen aber mit einem blauen Auge davon und wurden durch den Bund und das Land auch sehr aktiv unterstützt. Wir haben dabei eine strukturell gesunde Haushaltssituation, weil auch ganz wichtige Wirtschaftsbereiche trotz Pandemie gut laufen. Steuererhöhungen wird es also nicht geben, das wäre auch ein völlig falsches Signal. Bei der mittelfristigen Finanzplanung bräuchten wir natürlich mehr Planungssicherheit. Und natürlich: Die Baumaßnahmen am Schulzentrum steigern auch unsere Verschuldung. Man muss aber deutlich sagen, dass der Haushalt 2021 letztendlich an der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung verknüpft ist und damit auch viel Glaskugel im Spiel ist.

 

  1. Wie werden Sie die Ortsteile bei der Zukunftsgestaltung und des demographischen Wandels gestalten?

Wir müssen unsere Standortvorteile viel deutlicher betonen. Lügde liegt zwischen vielen Zentren, ob Hameln, Höxter, Lemgo, Detmold oder den großen Städten Hannover, Bielefeld und Paderborn. Wir brauchen beste Rahmenbedingungen für Bildung, eine verlässliche und ausreichende Breitbandversorgung und den passenden Wohnraum für die verschiedenen Interessengruppen. Unsere Ortsteile nehme ich dabei als vitale und funktionierende Dorf- und Ortsgemeinschaften wahr, wo man sehr gut leben kann. Und wir brauchen natürlich attraktive Arbeitsplätze in der Region.

 

  1. Fragt man die Bürger nach ihren Wünschen dann ist der flächendeckende Breitbandausbau existenziell. Da sind in der Vergangenheit Fehler gemacht worden.

Zunächst muss man ganz deutlich sagen, dass der Markt in unseren ländlichen Räumen beim Thema Breitbandversorgung versagt hat. Ich bin überzeugter Anhänger einer „sozialen Marktwirtschaft“, die ihren Namen dann aber auch verdient hat. Digitale Teilhabe ist Daseinsvorsorge und wir brauchen hier zukünftig entsprechende Rahmenbedingungen und verlässliche gesetzliche Regelungen. Im Grundgesetz sind gleichwertige Lebensverhältnisse konstituiert und dazu gehört meines Erachtens ein verlässliches Internet- und Mobilfunknetz. Das Unternehmen Sewikom hat bisher schlecht versorgte Bereiche in Teilen mit Einsatz von Fördermitteln ausgebaut. Das ist ein erster wichtiger Schritt, allerdings bin ich davon überzeugt, dass es nur ein Zwischenschritt ist. Wir brauchen mit Blick auf die zukünftigen Transformationsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft ein flächendeckendes Breitbandnetz bis zum Haus und ein Ende von Mobilfunklöchern.

 

  1. Die Stadt unterhält in Lügde und Elbrinxen Freibäder und gibt zudem für das kleine Bad in Humersen einen Betriebskostenzuschuss. Steht dieses Angebot zur Diskussion?

In der Politik habe ich bisher von allen Fraktionen vernommen, dass man zu unseren Freibädern steht. Dabei haben wir in Lügde eine nicht immer selbstverständliche Konstellation, dass Freibadvereine, Wirtschaft, Bürgerschaft und Stadt hier seit Jahren sehr gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Die Bürgerschaft kann die Freibäder natürlich deutlich stärken, indem sie Saisonkarten kaufen und/oder sich auch in den Fördervereinen engagieren und Mitglied werden. Wir versuchen ganz aktuell als Verwaltung für unsere städtischen Freibäder Förderkulissen zu erschließen, damit wir diese wichtigen Angebote der freiwilligen Leistungen auch in Zukunft anbieten können. Das werden wir aber auch nur mit entsprechenden Fördermitteln umsetzen können. Es ist aber realistisch, dass wir einen langen Atem brauchen und nicht gleich bei den ersten Förderaufrufen- und Wettbewerben erfolgreich sind. Wir planen also auch ein Stück weit für die Schublade, damit wir im passenden Moment agieren können.

 

  1. Der seit Jahren festzustellende demographische Wandel und die Corona-Pandemie haben ihre Spuren auch im ausgeprägten Vereinsleben der Stadt hinterlassen. Wie wird die nahe Zukunft aussehen? Wie kann geholfen werden?

Natürlich mache ich mir gerade mit Blick auf unsere Vereine Sorgen, dass die Pandemie hier gewachsene Strukturen negativ beeinflussen könnte. Das Vereinsleben zeichnet sich doch durch Gemeinschaft und Zusammenkommen aus. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen doch dringend den Ausgleich zum Familien- und Schulalltag, auch um individuelle Interessen und Fähigkeiten zu entwickeln und zu lernen. Die Chance ist aber durchaus auch da, dass Vereine vielleicht nach der Pandemie eine Art Renaissance erleben könnten. Die Menschen möchten raus und Vereine können mit ihren vielfältigen Angeboten auch ein Schlüssel für eine gesellschaftliche Normalisierung – für eine Erholungsphase – nach Corona sein.

 

  1. Wie würden Sie Ihre Stadt Lügde einem Fremden in einer kurzen Werbebotschaft vorstellen? Warum ist es reizvoll in Lügde zu wohnen?

Das schönste und glücklichste Gefühl ist es, wenn man mit der Familie oder guten Freunden zusammenkommt und in einem vielfältigen und naturnahen Umfeld regelmäßig die Seele baumeln lassen kann. Gute Nachbarschaft bedeutet hier, dass der Beruf nebensächlich und es eher darauf ankommt, ob man ein Mensch mit feinem Charakter ist. Dabei leben wir hier inmitten einer der dynamischsten Wirtschaftsregionen mit Hidden Champions und Weltmarktführern und entsprechenden Zukunftschancen. Wir sind 10 Ortsteile mit eigener Identität und Geschichte und mit vielen Chancen sich einzubringen oder auch individuell zu entwickeln. Vor allem sind wir eine Gemeinschaft vieler Einzelner, die ganz bewusst hier leben und wohnen, weil Lügde einfach ein schöner und vielfältiger Flecken Erde mit tollen Menschen ist.

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